A45: Diegel fordert Expertenrat aus China für Brückenneubau

20.01.2022, 13:11 Uhr

Entgegen erster Einschätzungen kann die Brücke nicht wieder für den Verkehr freigegeben werden, sondern muss nun abgerissen und vollkommen erneuert werden. Obwohl der Neubau der Rahmedetalbrücke ausschließlich in dem Zuständigkeitsbereich des Bundes liegt, berät das Verkehrsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, der Landesbetrieb StraßenNRW, der Märkische Kreis und die Stadt Lüdenscheid aktuell quasi tagtäglich über das weitere Vorgehen sowie über weitere Möglichkeiten zur Optimierung der katastrophalen Verkehrssituation.

Gerne gebe ich Ihnen meine persönliche Sicht zu dieser Thematik wieder:

1. Die Autobahn GmbH prüft bereits intensiv Fragen des Baurechts, der Umweltverträglichkeit und des Planfeststellungsverfahrens mit den zuständigen Bundesbehörden und Behörden in Nordrhein-Westfalen. 
 

2. Bereits vor Weihnachten wurden seitens des Verkehrsministeriums NRW die Planungen mit Naturschutzbehörden besprochen, um eine schnellstmögliche Lösung abzustimmen.
 

3. Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen CDU-Landtagsfraktion, Herr Bodo Löttgen, hat sich bereits in einem Schreiben vom 13. Dezember 2021 an den Bundesminister für Digitales und Verkehr, Herrn Dr. Volker Wissing MdB, für Maßnahmen zur Verhinderung eines Verkehrskollaps und die Minderung wirtschaftlicher Schäden eingesetzt.
 

4. Des Weiteren hat Frau Verkehrsministerin Ina Brandes (NRW) in einem Brief vom 16. Dezember 2021 an Herrn Dr. Volker Wissing MdB für einen beschleunigten Ersatzneubau der Talbrücke Rahmede auf der A45 sowie für einen Ausgleich und Hilfen für Anwohner und Unternehmen geworben.
 

5. Ferner möchte ich darauf hinweisen, dass am 14. Januar 2022 auf Leitungsebene des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr, des Verkehrsministeriums NRW und der Autobahn GmbH beraten wird, wie der Ersatzbau schnellstmöglich umgesetzt werden kann. Das Verkehrsministerium NRW hat dieses Gespräch angeregt und setzt sich weiterhin beim Bund dafür ein, alle Möglichkeiten zur Beschleunigung auszuschöpfen.

6. Zur Entlastung der Region wurde bereits eine großräumige Umfahrung der A45 über die A1, A3 und die A4 umgesetzt. Der Weltdachverband der Straßentransportwirtschaft (IRU) wurde vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik wenige Tage nach der Sperrung darüber informiert und gebeten, die internationalen Mitgliedsunternehmen zu informieren. Die Autobahn GmbH erstellte hierzu mehrsprachige Flyer, welche digital und analog an Raststätten zugänglich gemacht wurden.

7. Vor Ort ist eine Bedarfsumfahrung (U 16 und U 39) ausgeschildert. Das Verkehrsministerium NRW hat die relevanten Navigationsdienstleister schriftlich gebeten, die A45- Sperrung zu berücksichtigen und mit geeigneten Maßnahmen dafür zu sorgen, dass ortsfremde Fahrzeuge die Region nicht unnötigerweise belasten. Die Firma Here, die u. a. Automobilherstellern Audi, BMW und Daimler gehört, hat bereits reagiert und mitgeteilt, die Navigationsdatenbank angepasst und die längerfristige Lkw-Sperrung umgesetzt zu haben. Die Stadt Lüdenscheid als zuständige Straßenverkehrsbehörde und StraßenNRW als Straßenbaulastträger haben unmittelbar nach der Sperrung der A45 in Kooperation mit der Autobahn GmbH die Umleitungsstrecke mit folgenden Maßnahmen optimiert:

  • Abfahrten von der Autobahn werden durch teils zusätzliche Ampeln „gepförtnert“, um den Verkehr in der Stadt zu entlasten.
  • Signaltechnische Anpassung der Ampelanlagen und teils Überplanung ampelgeregelter Knotenpunkte im Zuge der Umleitungsstrecke.
  • Abstimmung der Umlaufzeiten übriger Lichtsignalanlagen im Stadtgebiet.
  • Anordnung abknickender Vorfahrt zu Gunsten der Verkehrsbeziehungen entsprechend der Umleitungsstrecke (Kreuzung L 530 „Altenaer Straße“/L532 „Im Grund“).
  • Entsprechende Beschilderung zur Verdeutlichung der Umleitungsstrecke.

Das nach wie vor sehr hohe Aufkommen des Durchgangsverkehrs betrifft sowohl die Umleitungsstrecke als auch das gesamte Stadtgebiet in Lüdenscheid und näherer Umgebung. Vor allem das besonders hohe Schwerverkehrsaufkommen belastet die Umleitungsstrecke, obwohl der Großteil der Lkw den Engpass weiträumig umfährt. Zur Entlastung der Umleitungsstrecken hat StraßenNRW in der Region viele Baustellen abgeschlossen oder zeitlich verschoben. In der hauptsächlich betroffenen Stadt Lüdenscheid konnten folgende Baustellen nicht unterbrochen werden:

  • Auf der B229 im Bereich Lüdenscheid Brügge wurden nach der Unwetter-katastrophe diverse Schäden festgestellt: Die Stabilisierung des Untergrunds soll Ende April abgeschlossen sein. Eine vorzeitige Freigabe der Baustelle ist zurzeit nicht möglich. Weiter muss ein bereits jetzt kritisch eingestuftes Bauwerk, die Brücke über die Volme-Bahn in Brügge, im Zuge der B229 gegebenenfalls tonnagebeschränkt werden.
  • Am Rathaustunnel in Lüdenscheid stehen zurzeit umfassende Sanierungsarbeiten an. Die Freigabe erfolgt aus Sicherheitsgründen erst, wenn Brandschutzarbeiten und die Installation erforderlicher Tunnelausstattung vollständig abgeschlossen sind.

Nach Abschluss beider Maßnahmen und Streckenfreigabe ist davon auszugehen, dass mehr Verkehr nach Lüdenscheid gezogen wird. Die Stadt Lüdenscheid wird die Zuständigkeit für die Anordnung der Verkehrslenkung übernehmen. In Abstimmung mit StraßenNRW werden dort derzeit weitere Maßnahmen erarbeitet und so zeitnah wie möglich umgesetzt. Ziel ist die verbesserte Verkehrslenkung insbesondere der Lkw sowie der Schutz der Wohngebiete und sensibler Bereiche durch weitere Optimierung wegweisender Beschilderung und Anordnung von Durchfahrtsverboten für Fahrzeuge >3,5 t sowie für Durchgangsverkehre außerhalb der ausgewiesenen Strecken. 

Abseits der Umleitungsstrecke kommt es sowohl auf klassifizierten Straßen als auch der Innenstadt, in Wohngebieten und anderen sensiblen Bereichen zu hohem Verkehrsaufkommen. Eine weitere Erhöhung der Überwachungstätigkeiten der Polizei auf Veranlassung der Straßenverkehrsbehörde vor Ort, um besonders den Schwerlastverkehr daran zu hindern, ungeeignete Strecken zu befahren, könnte Entlastung bringen, wurde von der Stadt Lüdenscheid vorgeschlagen und ist auch von ihr als Straßenverkehrsbehörde zu veranlassen. Des Weiteren erfolgen nach durchgeführten Verkehrszählungen weitere Verbesserungen der Ampelschaltungen. Weitere Gespräche mit der Stadt Lüdenscheid zu verkehrlichen Maßnahmen im Stadtgebiet außerhalb der Bedarfsumleitung sind bereits für den 14. Januar 2022 geplant.

8. Der Landesbetrieb StraßenNRW hat zudem verstärkten Winterdienst auf den Umleitungsstrecken eingeplant. Zwischen 22:00 Uhr bis 6:00 Uhr übernimmt die Autobahnmeisterei Lüdenscheid den Winterdienst im Zuge der BAB-Bedarfsumleitung.

9. Zur Erhebung kurzfristiger Verlagerungspotenziale von Güterverkehr von Straße auf Schiene sucht die Südwestfälische IHK gemeinsam mit dem Verkehrsministerium NRW und der Deutschen Bahn nach kurzfristigen Lösungen für die Region. Ein Ansatz wäre nicht genutzte Gleisanschlüsse privater Unternehmen zu reaktivieren oder genutzte private Gleisanschlüsse auch für andere Unternehmen ohne Gleisanschluss zu öffnen. Dazu läuft seit dem 23.12.2021 in Abstimmung mit dem Verkehrsministerium NRW eine Abfrage der SIHK bei Unternehmen in betroffenen Regionen.

Zu beachten gilt allerdings, dass im Schienenverkehr immer noch die Auswirkungen der Unwetterkatastrophe spürbar sind. Züge der RB 52 entlang der Verkehrsachse Dortmund –Hagen – Lüdenscheid fallen zwischen Rummenohl und Lüdenscheid (rd. 18 km) weiter aus. In Folge der Unwetterkatastrophe sind am Bahnhof Rummenohl wie auch im weiteren Streckenverlauf zwischen Rummenohl und Brügge umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich. Durch die Überflutung der Volme sind die dort aufgetretenen Schäden an dem Ober- und Unterbau so massiv, dass der Wiederaufbau der Strecke bis mindestens bis Ende 2022 andauern wird. Als Ersatz verkehren Busse mit allen Zwischenhalten zwischen Rummenohl und Lüdenscheid und Schnellbusse zwischen Hagen und Lüdenscheid jeweils mit Anschluss an RB 52 von und nach Dortmund. Das Verkehrsministerium NRW steht auch in dieser Angelegenheit im engen Austausch mit der Deutschen Bahn und setzt sich für schnelle Lösungen ein.

10. Wenn der Bund es mit einer schnellen Lösung zum Wiederaufbau der Rahmedetalbrücke ernst meint, dann halte ich es für erforderlich, dass schnellstmöglich zunächst ein Expertenrat aus nationalen Vertretern der Baubranche gemeinsam mit international führenden Vertretern der Brückenbaubranche aus aller Welt gebildet wird - zum Beispiel zusammengesetzt aus Ingenieuren, Architekten, Bauinformatikern, Tragwerksplanern etc. aus Österreich, der Schweiz, den USA u.v.a. Ländern.

Ferner sollten internationale Experten, die nachgewiesenermaßen die schnellsten Errichtungen von Brücken nicht nur planen, sondern in ihren Ländern auch umsetzen, Teil des Expertenrates sein, so zum Beispiel aus China.

Gerade in der Planungsphase ist es wichtig, dass man offen für neue Ideen, Strategien, Technologien und Planungsschritte ist.

Mir scheint auch eine ganzheitlich parametrische Softwarearchitektur erforderlich, in der Konstruktion, Berechnung, Bauablauf und Ausstattung in ein intelligent vernetztes System integriert wird. Diese Brückenparametrik würden zu einem neuen Niveau der Effizienz und Flexibilität und sogar zu höchster Qualität in der Brückenbauplanung führen können.

Angesichts der bisher ergriffenen Maßnahmen und der engen Zusammenarbeit des Verkehrsministeriums NRW mit dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr, dem Landesberieb StraßenNRW, der Deutschen Bahn, dem Märkischen Kreis sowie der Stadt Lüdenscheid halte ich eine zeitnahe Fertigstellung des Neubaus der Rahmedetalbrücke für möglich. Eine zeitnahe Realisierung hängt insbesondere von der Bereitschaft des Bundes ab, Fragen des Baurechts, der Umweltverträglichkeit sowie des Planfeststellungsverfahrens zeitnah zu klären.

Als Hagener MdL werde ich diese Situation selbstverständlich weiterhin tagtäglich beobachten und mich weiterhin tatkräftig für einen zügigen Neubau der Brücke im Rahmen meiner parlamentarischen Arbeit einsetzen.